
Wir klären auf.
Versetzten uns im letzten Jahrhundert Spanische- und Vogel-Grippe in Angst und Schrecken, so ist es im Augenblick die Schweinegrippe. Während Epidemien sich rasch regional von Landstrich zu Landstrich ausbreiteten, so sprechen wir im Zusammenhang mit der Schweinegrippe mittlerweile von einer Pandemie. Darunter versteht man eine sich schnell global, also weltweit, verbreitende Virusinfektion. Impfen oder nicht impfen – darüber reden sich in diesem Winter nicht nur Experten die Köpfe heiß.
Das erstmals im Frühling 2009 in Mexiko festgestellte und mit einer hohen Ansteckungsrate ausgestattete neue Influenzavirus des Typs A mit dem Subtyp H1N1 kann in seltenen Fällen vom Schwein auf den Menschen übertragen werden und dabei schwere Erkrankungen hervorrufen. Zwischenzeitlich hat der im Volksmund als Schweinegrippe bezeichnete H1N1-Erreger bundesweit bereits einige Todesopfer gefordert.
Vor allem älteren Menschen und Kindern, bei denen das Immunsystem nicht mehr oder noch nicht perfekt arbeitet, können diese Influenza-Viren gefährlich werden. Die Grippeerreger haben leichtes Spiel, bilden nicht selten die Vorhut für neue Keime, denn ist der Körper erstmal geschwächt, erhöht sich das Risiko, dass sich andere aggressive Viren oder Bakterien im Körper einnisten. So erkranken Asthmapatienten, die eine Grippe bekommen, nicht selten gleichzeitig an Bronchitis oder einer Lungenentzündung.
Wer ist gefährdet und warum?
Grundsätzlich gilt: Niemand ist gegen normale Erkältungskrankheiten, grippale Infekte oder das die Schweinegrippe auslösende Virus H1N1 gefeit – es kann alle jederzeit treffen. Doch nicht bei allen Menschen ist das Risiko zu erkranken gleich hoch. Wer nicht nur zu Beginn der kühlen Witterung etwas für sein Immunsystem tut, läuft jedoch weit weniger Gefahr, von den ersten Virusträgern auch angesteckt zu werden.
Ältere Menschen, kleine Kinder oder aber Menschen mit bestimmten Grunderkrankungen verfügen oft nur unzulänglich über gut funktionierende körpereigene Abwehrkräfte. Dazu zählen übrigens auch Schwangere, deren Immunsystem sich während der Schwangerschaft verändert. Eine weitere Risikogruppe sind all jene Menschen, die aus beruflichen Gründen viel oder regelmäßig mit Kranken umgehen. Ärzte, Apotheker, Krankenschwestern und Pfleger, aber auch Kindergärtner, Erzieher und Lehrer, um nur einige zu nennen. Grunderkrankungen, wie Diabetes, Stoffwechselstörungen, Erkrankungen der Atemwege oder Krebs, schwächen das Immunsystem ohnehin schon gewaltig – es kann sich daher gegen aggressive Viren nur noch schwer zur Wehr setzen.
Auch eine leichte Erkältung zu Beginn der kalten Jahreszeit ist indes kein Grund, auf die jährliche normale Grippeimpfung zu verzichten. Wer es bislang versäumt hat, sich gegen das hinreichend bekannte und bestens erforschte Influenzavirus impfen zu lassen, kann dies immer noch nachholen.
Die empfohlene jährliche Grippeimpfung ist eine rein vorbeugende Maßnahme zur Verhinderung einer echten Grippe und hilft nicht gegen eine banale Erkältung. Grundsätzlich raten Ärzte dazu, die Impfung stets zur gleichen Jahreszeit durchführen zu lassen (September – November), aber auch zu einem späteren Zeitpunkt kann die Impfung noch sinnvoll sein, da Impfschutz schon nach ein bis zwei Wochen eintritt. Generell gilt auch bei dieser Impfung, dass der Impfschutz Jahrzehnte anhalten kann, doch da die Influenza-Viren sich sehr rasch anpassen und mutieren, muss die Impfung jährlich erneuert werden. Die Grippe-Impfung wird von vielen Krankenkassen kostenlos für ihre Versicherten angeboten.
Nebenwirkungen können jedoch, wie bei allen anderen Impfstoffen, immer auch bei völlig gesunden Patienten auftreten. In der Regel beschränken sie sich meist auf Schmerzen und Rötungen an oder in unmittelbarer Nähe der Impfstelle, mitunter kann eine Schwellung der Lymphknoten nach erfolgter Impfung auftreten. Erkältungssymptome wie Kopf- und/oder Gliederschmerzen, leichtes Fieber oder Übelkeit.
Die Impfung gegen das H1N1-Virus ist kostenlos und kann beim Hausarzt durchgeführt werden.
Stets aktuelle Infos zu den Impfthemen gibt es auf der Webseite des
Robert-Koch-Instituts
Wann zum Arzt?
Natürlich muss man nicht wegen jeder laufenden Nase oder kratzendem Hals gleich den Arzt aufsuchen. Eine Erkältung (grippaler Infekt) braucht ihre Zeit. Sieben Tage, wenn man im Bett bleibt, eine Woche, wenn man zum Arzt geht, besagt eine alte Volksweisheit.
Der Gang zum Arzt wird immer dann unerlässlich,
- wenn sich die aufgetretenen Krankheitssymptome nicht innerhalb von wenigen Tagen bessern
- bei Unwohlsein mit anhaltendem und/oder hohem Fieber (über 39°C)
- bei andauernden und/oder starken Kopfschmerzen
- bei starken Halsschmerzen und/oder Schluckbeschwerden
- bei Husten mit eitrigem (meist gelbgrünem oder blutigem) Auswurf
- bei starken und/oder anhaltenden Ohrenschmerzen
- bei Flüssigkeitsabsonderungen aus den Ohren
- bei Atemnot oder rasselnden Atemgeräuschen
- bei schnellem Puls
- bei einseitigen Schmerzen im Brustkorbbereich
- bei bläulicher Verfärbung von Lippen und/oder Fingernägeln
- bei Übelkeit und/oder Erbrechen
- bei zusätzlich auftretendem Hautausschlag